218 Spieler, 99 Vereine, acht Nationen – Nordhausen wird zur Schachstadt

16. Internationales Nordhäuser Schachopen überzeugt mit sportlicher Klasse, bundesweiter Reichweite und großem Engagement hinter den Kulissen

Vier Tage lang stand Nordhausen ganz im Zeichen des königlichen Spiels. Vom 6. bis 9. August lockte das 16. Internationale Nordhäuser Schachopen insgesamt 218 Spielerinnen und Spieler in die Rolandstadt. 85 Teilnehmer gingen im Meisterturnier an den Start, 87 im Hauptturnier und 46 im Amateurturnier. In allen drei Turnieren wurden sieben Runden gespielt.

Dabei beeindruckte nicht allein die Teilnehmerzahl. Die Auswertung der Meldelisten zeigt die inzwischen beachtliche Reichweite des Nordhäuser Opens: 99 verschiedene Vereine und Clubs waren vertreten. Die deutschen Vereinszugehörigkeiten erstreckten sich über 15 Bundesländer.

Den größten Anteil stellte erwartungsgemäß Thüringen mit 84 Teilnehmern, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 33 und Sachsen mit 27. Allein aus diesen drei mitteldeutschen Bundesländern kamen damit 144 Teilnehmer und somit rund zwei Drittel des gesamten Feldes. Darüber hinaus reisten Spieler aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg, dem Saarland und Bremen nach Nordhausen.

Damit hat sich das Turnier längst über die Grenzen Thüringens hinaus einen Namen gemacht und erreicht inzwischen Schachfreunde aus nahezu allen Teilen Deutschlands.

Internationales Flair in Nordhausen

Auch international konnte das Turnier überzeugen. Insgesamt waren 13 Spieler unter einer nichtdeutschen Schachföderation gemeldet. Neben Deutschland waren die Schweiz, die Niederlande, Ungarn, die Ukraine, Indien, Frankreich und Usbekistan vertreten. Damit kamen Spieler aus insgesamt acht verschiedenen Schachföderationen zusammen.

Besonders international präsentierte sich das Meisterturnier. Dort führte der für die Schweiz spielende Großmeister Li Min Peng mit einer Elo von 2.553 die Setzliste an. Hinzu kamen unter anderem Spieler aus den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Indien und Frankreich.

Hochklassiges Meisterturnier

Die sportliche Qualität des Meisterturniers war bemerkenswert. Der offizielle Elo-Durchschnitt betrug 2.044 Punkte. Alle 85 Teilnehmer verfügten über eine Wertungszahl, 49 von ihnen hatten mindestens 2.000 Elo. Hinzu kamen 13 FIDE-Titelträger, darunter ein Großmeister, ein Internationaler Meister, vier FIDE-Meister sowie weitere internationale Titelträger.

Am Ende wurde Großmeister Li Min Peng seiner Favoritenrolle gerecht. Mit 6,5 Punkten aus sieben Partien und ohne Niederlage sicherte er sich den Turniersieg. Auf Rang zwei folgte Internationaler Meister Ruben Gideon Köllner von der SG Solingen mit 5,5 Punkten. Platz drei belegte FIDE-Meister Karsten Schulz von den Schachfreunden Schwerin, ebenfalls mit 5,5 Punkten.

Neben den Favoriten sorgten auch andere Spieler für bemerkenswerte Leistungen. Aus Nordhäuser Sicht fiel unter anderem Titus Wabersich auf: Mit 1.838 Elo nur auf Startrang 81 gesetzt, kämpfte er sich bis auf Platz 50 nach vorn.

Spannung im Haupt- und Amateurturnier

Im Hauptturnier sicherte sich Alexander Nicolai mit sechs Punkten aus sieben Partien den Turniersieg. Vitaliy Sviridov und Julian Kaße folgten mit jeweils 5,5 Punkten. Nicolai blieb über das gesamte Turnier ungeschlagen. Bemerkenswert war unter anderem die Leistung von Kilian Lux. Mit einer Elo von 1.705 erreichte er fünf Punkte und einen hervorragenden achten Platz.

Auch das Amateurturnier brachte einige Überraschungen. Motong Liu vom ESV Rot-Weiß Göttingen gewann mit sechs Punkten, obwohl er lediglich als Nummer zehn des Feldes gestartet war. Noch größer war der Sprung von Lars Recknagel vom SC Rochade Steinbach-Hallenberg: Von Startplatz 19 spielte er sich mit 5,5 Punkten bis auf Rang zwei vor. Dritter wurde Leo Kutschenreuter von den Schachzwergen Magdeburg mit fünf Punkten. Helena Ivanov vom SC Leipzig-Lindenau erreichte ebenfalls fünf Punkte und belegte Rang vier.

20 Spieler vertraten den Gastgeberverein

Der SC 1951 Nordhausen e.V. war selbst mit einem großen Aufgebot vertreten. Insgesamt gingen 20 Spieler des Gastgebervereins an die Bretter – drei im Meisterturnier, sieben im Hauptturnier und zehn im Amateurturnier.
Besonders erfolgreich war Hartmut Viererbe, der im Amateurturnier mit 4,5 Punkten einen starken neunten Platz belegte. Daniel und Denis Bilozerov erreichten ebenfalls jeweils 4,5 Punkte und folgten auf den Plätzen elf und zwölf. Damit kam fast jeder elfte Teilnehmer des gesamten Turniers aus den Reihen des SC 1951 Nordhausen.

„Auch Nordhausen hat an diesem Wochenende gewonnen“

Für Dirk Schimm, Zweiter Beigeordneter des Landkreises Nordhausen und Schirmherr des Turniers, geht die Bilanz deshalb weit über die Ergebnisse auf den 64 Feldern hinaus.

„Das Internationale Nordhäuser Schachopen ist längst mehr als ein Schachturnier. Es bringt Menschen unterschiedlichster Generationen und Nationen zusammen und zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Respekt, Fairness und die Freude am gemeinsamen Wettstreit Grenzen überwinden können. Darauf können wir als Gastgeberstadt und Landkreis stolz sein.“

Nach vier Turniertagen sieht sich der Schirmherr darin bestätigt:

„Es gibt an diesem Wochenende nicht nur Gewinner am Schachbrett. Auch wir als Landkreis und Stadt Nordhausen haben als Gastgeber gewonnen. 218 Menschen aus 99 Vereinen, aus nahezu der gesamten Bundesrepublik und aus acht verschiedenen Schachföderationen waren bei uns zu Gast. Sie haben Nordhausen erlebt, miteinander gesprochen, gemeinsam gespielt und hoffentlich viele positive Eindrücke mit nach Hause genommen. Ich bin überzeugt, dass viele von ihnen im kommenden Jahr gern wieder zu uns nach Nordhausen kommen werden.“

Gerade darin liege eine Bedeutung des Turniers, die über den Sport hinausreiche: Eine Veranstaltung dieser Größenordnung bringe Menschen in die Region, schaffe Begegnungen und trage den Namen Nordhausens weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus.

Die entscheidenden Züge werden manchmal abseits des Brettes gemacht

Dass ein Turnier mit 218 Teilnehmern überhaupt stattfinden kann, ist allerdings nicht allein das Verdienst der Menschen, die während der vier Tage sichtbar im Turniersaal arbeiten.

Noch bevor die erste Schachuhr gestartet werden konnte, mussten Räume vorbereitet, Tische und Stühle bewegt, Spielmaterial aufgebaut und zahlreiche organisatorische Aufgaben erledigt werden. Nach der letzten Partie lief das Ganze in umgekehrter Richtung.

Dabei erhielt der SC 1951 Nordhausen wertvolle Unterstützung. Mitarbeiter der Deutschen Bank packten beim Aufbau tatkräftig mit an und halfen dabei, die Voraussetzungen für einen pünktlichen Turnierstart zu schaffen.

Der Karate-Do-Kwai Nordhausen e.V. unterstützte die Organisatoren sogar an beiden Enden des Turniers: Mitglieder des Vereins halfen sowohl beim Aufbau als auch beim Abbau. Ein starkes Beispiel dafür, dass Sportvereine in Nordhausen nicht nur nebeneinander existieren, sondern sich gegenseitig unterstützen.

Nach Abschluss des Turniers kamen beim Abbau zusätzlich Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Nordhausen-Mitte zum Einsatz und packten mit an.

Diese Helfer finden sich in keiner Rangliste. Sie erhalten weder Elo- noch Buchholzpunkte und stehen bei der Siegerehrung nicht auf dem Podest. Für den Erfolg eines Turniers dieser Größenordnung sind sie dennoch unverzichtbar.

Ein Turnier mit Strahlkraft

Am Ende stehen beeindruckende Zahlen: 218 Teilnehmer, 99 Vereine und Clubs, Vereinszugehörigkeiten aus 15 Bundesländern, acht vertretene Schachföderationen, 13 international gemeldete Spieler und ein Meisterturnier mit einem Elo-Durchschnitt von 2.044 Punkten.

Doch Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Das 16. Internationale Nordhäuser Schachopen stand ebenso für Konzentration und Fairness, für den Handschlag vor der Partie, für Begegnungen zwischen Jung und Alt und zwischen Spielern unterschiedlicher Herkunft – und für viele Menschen, die hinter den Kulissen gemeinsam dafür sorgten, dass ihre Gäste sich in Nordhausen willkommen fühlen konnten.

Wenn diese Gäste im kommenden Jahr gern wieder nach Nordhausen kommen, dann wäre das vielleicht der schönste Erfolg des gesamten Turniers.

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