Abschlussbericht ThEM: FM Michael Müller gewinnt knapp vor Franz Bräuer

Mit der Hilfe und Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei des Freistaates Thüringen, als Schirmherr dieser Veranstaltung, konnte dieses Turnier wieder in hoher Qualität ausgetragen werden. Wie in den vergangenen Jahren bot das Hotel „Zur Linde“ hervorragende Spielbedingungen und das Turnier wurde von Schiedsrichter Hartmut Seele und Turnierleiter Felix Osterloh souverän durchgeführt.

Die Präsidentin des Thüringer Schachbundes, Diana Skibbe, mit den Preisträgern Janis Wehner, FM Michael Müller, Franz Bräuer (v. l.) und Johanna Bethge.

Leider fanden sich in diesem Jahr nur 17 Spieler ein, um die Titel auszuspielen. Da nach der kurzfristigen Absage Heike Goldmunds mit Johanna Bethge nur eine Dame darunter war, stand die Thüringenmeisterin schon mit Turnierbeginn fest. Die Meisterschaft der Herren hingegen verlief zum Ende hin so spannend, wie selten zuvor.
Gleich zum Turnierbeginn gab es eine bemerkenswerte Überraschung. Neben den Favoriten konnte der an Platz 14 der Setzliste rangierende Nachwuchsspieler Tim Hoffmann (ESV Gera) auf zwei Punkte aus zwei Partien verweisen. Leider blieben dies seine einzigen Siegpartien, sodass er nach und nach weiter zurück fiel.
Nach den Auftaktrunden, kamen dann auch die Favoriten in Schwung, sodass nach vier Runden mit Franz Bräuer (Erfurter SK), Uwe Mehlhorn (Ilmenauer SV), FIDE-Meister Michael Müller (Vimaria Weimar) und Janis Wehner (Medizin Erfurt) diese die ersten vier Plätze einnahmen.
Bereits in der dritten Runde trafen die Turnierfavoriten aufeinander. Sollte hier die Vorentscheidung fallen?

 

Duell der Favoriten in Runde 3: FM Müller - Bräuer: 0-1.

 

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[Event "Thüringer Meisterschaft"]
[Site "Finsterbergen"]
[Date "2013.03.28"]
[Round "3"]
[White "Müller, Michael"]
[Black "Bräuer, Franz"]
[Result "0-1"]
[ECO "A47"]
[WhiteElo "2265"]
[BlackElo "2257"]
[Annotator "Bräuer,Franz"]
[PlyCount "112"]
[EventDate "2013.??.??"]
[EventType "swiss"]
[EventRounds "9"]
[EventCountry "GER"]
[SourceDate "2011.03.13"]

{Als Trost für meinen undankbaren 2. Platz blieb mir lediglich der Status des
"Turniersiegerbesiegers":} 1. d4 e6 2. Nf3 b6 3. Bf4 Bb7 4. e3 Nf6 5. Bd3 Be7
6. h3 c5 7. Nbd2 O-O 8. O-O Nc6 9. c3 Rc8 10. Qe2 d5 11. Bh2 {Die Eröffnung
ist unspektakulär verlaufen. Ich suchte nun nach einem vernünftigem Plan.} Bd6
$5 {strebt den Läufertausch an, um e6-e5 durchzusetzen und das weiße Zentrum
aufzuknacken.} 12. Ne5 Bb8 {ermöglicht Sc6xe5.} 13. f4 {Das ist folgerichtig,
schränkt aber den Läufer auf h2 ein.} Ne7 $5 {Entzieht sicht dem Abtausch und
bereitet evtl. Sf6-e4 vor, um die Läuferdiagonale b1-h7 zu blockieren.} (13...
Nd7 $2 14. Nxc6 Rxc6 15. e4 {ist günstig für Weiß.}) 14. Rad1 c4 (14... Ne4 $2
15. Nxe4 dxe4 16. Bb5 {und die Gegenüberstellung von Turm und Dame erweist
sich als vorteilhaft für Weiß.}) 15. Bc2 b5 {Das Wesen der Stellung hat sich
verändert: Schwarz hat die Spannung im Zentrum mit c5-c4 aufgegeben und wird
nun den Hebel b5-b4 durchsetzen. Weiß hingegen sollte sein Glück am
Königsflügel suchen.} 16. e4 $6 {Mein Gegner spielte bis hierhin sehr schnell,
was mich verwunderte. Der Textzug ist sehr verpflichtend und stellt Schwarz
vor keine großen Probleme.} (16. a4 {war zu prüfen, um dem schwarzen Spiel am
Damenflügel entgegenzuwirken.}) 16... dxe4 17. Nxe4 Nxe4 18. Bxe4 Bxe4 19. Qxe4
Qd5 {Schwarz hat hier mühelos Ausgleich erreicht. Ich denke, dass mein Gegner
seine Stellung hier überschätzte und daher Vereinfachungen auswich.} 20. Qe2 (
20. Qxd5 {hätte nach} Nxd5 21. Nd7 Rfe8 (21... Ne3 22. Nxf8 Nxf1 23. Rxf1 Kxf8
24. f5 $11) 22. Nxb8 Rxb8 23. f5 Rbd8 24. Rde1 exf5 25. Rxe8+ Rxe8 26. Rxf5 {
zu einem remislich aussehenden Endspiel geführt. Allerdings ist es hier
Schwarz, der es noch versuchen kann.}) 20... a5 21. Bg3 $2 {Das verschenkt
einfach ein Tempo.} f6 22. Ng4 Nf5 23. Bh2 (23. Be1 h5 24. Nh2 (24. Ne3 Qe4 25.
Bd2 Ng3 26. Qf3 Qxf4 $1 $17) 24... Rce8 {ist ebenfalls viel angenehmer für
Schwarz.}) 23... Rfe8 24. Rde1 Bd6 $5 {Der Läufer wird nicht länger auf b8
gebraucht und geht zurück auf die Diagonale f8-a3, um den Hebel b5-b4
ebenfalls zu unterstützen.} 25. Nf2 Bf8 26. Ne4 b4 {Ich habe nun mein erstes
Ziel erreicht. Ich plante nun a5-a4-a3, um die weiße Bauernstruktur am
Damenflügel endgültig zu zerstören.} 27. Rf3 $6 {Zu leichtsinnig! Es musste
etwas für c3 und d4 getan werden.} (27. Qd2 {war noch der beste Versuch, die
Stellung im Gleichgewicht zu halten.} a4 28. g4 Nd6 29. Nxd6 Bxd6 30. cxb4 a3
$1 31. bxa3 c3 {und es bleibt Feuer in der Stellung!}) 27... a4 28. g4 {Das
Gegenspiel kommt zu spät.} Nh4 $6 (28... a3 $1 {hätte die Partie wohl sofort
beendet:} 29. gxf5 exf5 30. Nxf6+ gxf6 31. Rg3+ Bg7 32. Qxe8+ Rxe8 33. Rxe8+
Kf7 34. Re2 axb2 35. Rxb2 bxc3 36. Rbg2 Qxd4+ 37. Kh1 Qd1+ 38. Rg1 c2 $1 39.
Rxg7+ Ke6 {und Schwarz gewinnt. Natürlich war das am Brett bei knapper
werdender Zeit schwer zu sehen.}) 29. Re3 Red8 {geht der Gegenüberstellung mit
den drei weißen Schwerfiguren aus dem Weg.} 30. Qf2 Ng6 31. f5 $2 {Dadurch
erlangt Schwarz wieder klaren Vorteil.} (31. a3 {war notwendig, um ein
schwarzes a4-a3 zu verhindern.} bxa3 32. bxa3 Bxa3 33. Qa2 Bf8 34. Qxa4 {und
Weiß steht nur etwas schlechter.}) 31... exf5 32. gxf5 Ne7 33. Ng3 (33. Nxf6+ {
funktioniert natürlich nicht:} gxf6 34. Rxe7 Bxe7 35. Rxe7 Kh8 {nebst Td8-g8
und Schwarz gewinnt leicht.}) 33... Nc6 34. Nh5 $2 (34. a3 {war die
allerletzte Chance sich zu wehren.}) 34... a3 {Nun ist die weiße Lage
hoffnungslos.} 35. Nf4 Qxf5 36. Ne6 Qxf2+ 37. Kxf2 Rd5 (37... axb2 $1 38. Nxd8
Nxd8 39. Rb1 bxc3 40. Rxc3 Bb4 41. Rc2 c3 {führt auch zu einer schwarzen
Gewinnstellung.}) 38. bxa3 bxc3 39. Rxc3 Nxd4 40. Nc7 $2 (40. Nxf8 {war die
beste praktische Chance.}) 40... Rc5 (40... Rf5+ $1 {hätte sofort gewonnen:}
41. Kg2 Rb8 {und es wird Tb8-b2 nebst Tf5-f2 mit klarer schwarzer
Gewinnstellung folgen}) 41. Rb1 {Danach ist es leicht für Schwarz. Der Rest
ist Technik.} (41. Rd1 {bot noch etwas Hoffnung}) 41... R8xc7 42. Bxc7 Rxc7 43.
Ke3 (43. Rbc1 Bc5 $1 44. Kf1 (44. Rxc4 Nb3+ $19) 44... Nf5 45. a4 Nd6 46. Rd1
Ra7 $19) (43. a4 Nf5 44. a5 Nd6 45. Kf3 Ra7 $19) 43... Nf5+ 44. Ke4 Rc5 45. a4
Ra5 46. Rb8 Nd6+ 47. Kd4 Rxa4 48. Kd5 Rxa2 49. Ke6 Re2+ 50. Kd7 Kf7 51. Kc6 f5
52. Rf3 Be7 53. Ra8 Re5 54. Kd7 Ne4 55. Ra2 c3 56. Rc2 Rc5 0-1

[/pgn]

Unter seinen Erwartungen blieb bis dahin der an Platz drei gesetzte Gunnar Kirschbaum (Medizin Erfurt), nach vier Runden auf Platz 9.

 

Unerschrocken gegen die Schneemassen: Gunnar Kirschbaum wie immer gut gelaunt.

 

Nach der fünften Runde war es ein Kopf an Kopf rennen, zwischen Franz Bräuer und dem FM Michael Müller.
Nach fünf Runden:            1.  Franz  Bräuer      4,0 ,     2. Michael  Müller      4,0
Nach sechs Runden:          1.  Franz  Bräuer      5,0 ,     2. Michael  Müller      4,5
Nach sieben Runden:         1.  Franz  Bräuer      5,5 ,     2. Michael  Müller      5,5
Durch seinen Sieg gegen Tim Hoffmann in der siebten Runde konnte Michael Müller zu Franz Bräuer aufschließen:

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[Event "Thüringer EM 2013"]
[Site "Finsterbergen"]
[Date "2013.03.31"]
[Round "7"]
[White "Hoffmann, Tim"]
[Black "Mueller, Michael"]
[Result "0-1"]
[ECO "B98"]
[WhiteElo "1921"]
[BlackElo "2193"]
[Annotator "Müller,Michael"]
[PlyCount "102"]
[EventDate "2013.??.??"]
[EventType "swiss"]
[EventRounds "9"]
[EventCountry "GER"]
[SourceDate "2013.04.06"]

1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 {Soweit die bekannte Theorie.
Nun wollte ich meinen Gegner aus der Vorbereitung bringen, was mir auch gelang.
} a6 6. Bg5 e6 7. f4 Be7 8. Qf3 Qc7 9. O-O-O Nc6 {Zu dem alternativen
"Igel-Aufbau" führt 9....Sb-d7.} 10. g4 {Ein neuer Zug, der ambitioniert wirkt.
Das Schlagen Sd4xc6 ist aber geläufiger.} Nxd4 11. Rxd4 Bd7 {An 11....b5 habe
ich auch überlegt, fand aber den sofortigen Läuferzug als Fortsetzung der
Figurenentwicklung besser.} 12. Bh4 Bc6 13. g5 Nd7 14. Bh3 $5 {14.Le2 ist
sicherlich genauer.Jetzt kann Schwarz den schwarzfeldrigen Läufer des Weißen
wirkungslos werden lassen.} g6 15. Qf2 O-O-O 16. Rhd1 Kb8 17. R4d2 Nc5 18. Bg2
h6 19. Kb1 b5 {Es sollte nicht nur mit b5-b4 im nächsten Zug der Sc3
vertrieben werden, sondern auch der Angriff gegen den weißen Bauern e4 mittels
Dc7-b7 verstärkt werden.} 20. a3 Qb7 {Hat aber nun den Nachteil, daß der Weiße
mit 21.gxh6 Txh6 22.Lxe7 Dxe7 23.b4 ! Sb7 die luftige Stellung des schwarzen
Königs bedrohen kann.} 21. Rd4 $6 hxg5 22. fxg5 e5 23. R4d2 Rh7 {Als
Vorbereitung für Sc5-e6 gedacht, aber etwas zu langsam, da Weiß sofort Lg3
hätte ziehen können.} 24. Nd5 $2 Bxd5 25. Rxd5 Ne6 $1 {Nun ist der schwarze
Vorteil sichtbar.Ein weiterer ungenauer weißer Zug und es ist bereits ein für
Schwarz gewonnenes Endspiel auf dem Brett.} 26. R5d2 $6 Rxh4 $1 27. Qxh4 Bxg5
28. Qf2 Bxd2 29. Rxd2 Nf4 30. Bf3 Qc7 $6 {Besser war 30....f6.Nun dauert es
etwas länger.} 31. Qh4 Ne6 32. Rf2 Kb7 33. Bg4 Nf4 34. Qf6 Ka7 35. Rd2 d5 36.
Bf3 d4 37. c3 Ne6 38. Bg4 Nc5 39. Bf3 d3 40. Qg5 a5 41. b4 Na4 42. Qe3+ Ka6 43.
Rxd3 Rxd3 44. Qxd3 Nxc3+ 45. Kb2 Na4+ 46. Kb3 axb4 47. axb4 Qc1 48. Qd6+ Nb6
49. Be2 Qb1+ 50. Kc3 Qxe4 51. Bd3 Qd5 {...und Weiß gab angesichts der
schwarzen  Bauernübermacht auf.} 0-1

[/pgn]

In der achten Runde unterlief Franz Bräuer gegen Sebastian Hocke (ESV Lok Meiningen), in komplizierter Stellung ein verhängnisvoller Rechenfehler, den der Südthüringer konsequent ausnutzte und seinen Kontrahenten die erste Niederlage beibrachte.
Nach acht Runden: 1. Michael Müller (6,0) ,  2. Franz Bräuer (5,5) ,  3. Janis Wehner (5,0) ,  4. Sebastian Hocke (5,0)
Die neunte Runde musste also die Entscheidung bringen…

 

Die Dame gegen den jüngsten Teilnehmer: Bethge - Nguyen: 0-1.

 

Während Michael Müller am ersten Brett schnell Remis machte, gab es am zweiten Brett das Duell „Lehrer gegen Schüler“. Letztendlich konnte sich Franz Bräuer gegen den bis dahin ungeschlagenen Nachwuchsspieler Huy Dat Nguyen durchsetzten.
Nach neun Runden: 1. Michael Müller (6,5) ,  2. Franz Bräuer (6,5) ,  3. Janis Wehner (5,5) ,  4. Alex Steinacker (5,5)
Lediglich die Zweitwertung von einem Buchholzpunkt trennte am Ende den ersten vom zweiten  Platz.
Somit ist FM Michael Müller Thüringer Meister 2013.
Anzumerken ist noch, dass nur ein Spieler ungeschlagen blieb. Mit zwei Siegen und sieben Remisen, ist Janis Wehner ebenfalls der Remiskönig des vergangenen Turniers.

 

Gute Tradition: Die Kartenturniere im Rahmenprogramm.

 

Was wäre die Thüringenmeisterschaft ohne die Kartenturniere im Rahmenprogramm? Dieses Jahr gingen die Pokale an Dennis Fischer (Bridge), Hartmut Seele (Doppelkopf), Christian Gulich (Skat) und Stefan Koch (Poker).
Wir wünschen den Siegern FM Michael Müller und Johanna Bethge, die unsere Thüringer Farben bei der Deutschen Meisterschaft vertreten werden, viel Erfolg!

Ergebnisse

 

Bilder