Am ersten Wochenende des Deutschen Mannschaftspokals waren mit Vimaria Weimar und Empor Erfurt auch zwei Thüringer Teams im Einsatz und schlugen sich wacker.
Während die Weimarer erst in der zweiten Runde gegen den Erstligisten SV Hockenheim knapp nach Berliner Wertung das Nachsehen hatten, musste Erfurt bereits in der Auftaktrunde die Segel streichen. Dafür war der Gegner kein geringerer als der amtierende Deutsche Meister, die SG Solingen. Zugegeben, die beiden Bundesligisten schickten bei weitem nicht ihr stärkstes Aufgebot, dennoch waren insgesamt drei IM und ein GM am Start.
Empor Erfurt musste kurz vor dem Pokalwochenende in Knüllwald krankheitsbedingt Moritz Weishäutel ersetzen. Helmut Schmuck sprang spontan ein, obwohl für ihn auch noch ein Landesklasse-Punktspiel am Sonntag auf dem Programm stand. Im Falle des Weiterkommens wäre Helmut ab- und Wiede Friedrich (wegen Prüfung am Samstag verhindert) angereist - Respekt für die Reisebereitschaft der beiden Schachfreunde! Komplettiert wurde das Team durch Ferenc Langheinrich, Stephan Sieber und Peter Michalowski.
Gegen Solingen wurde gut mitgehalten, einzig Ferenc verlor recht früh einen Bauern, hoffte jedoch bei ungleichfarbigen Läufern auf Gegenspiel. Stephan landete gegen den Deutschen U16-Vizemeister in einem De2-Spanier in einer ausgeglichenen Stellung und Helmut stand in einer Damengambit-Abtauschvariante zunächst bequem. Peters Gegner nahm nach einigem Nachdenken vom kritischen e4-Vorstoß im Londoner System Abstand. Im weiteren Verlauf tauschten sich die Leichtfiguren über die Felder e4 und e5, so dass ein Remis die Folge war. Unterdessen hatte sich Helmuts Gegner das Läuferpaar gesichert. Unterstützt von diesem marschierte einer der schwarzen Bauern in Richtung weiße Grundreihe, was Helmut schließlich zur Aufgabe veranlasste. Kurz darauf besiegelte Ferenc' Verlust die Mannschaftsniederlage. Er hatte aktiv Gegenspiel gesucht, womöglich wäreein defensiverer Ansatz erfolgsversprechender gewesen. Stephan wickelte unterdessen in ein Bauernendspiel, dessen Ausgang uns keinesfalls klar war. Dreiecksmanöver, Pattmotive, ... - da war viel fürs nächste Endspieltraining dabei. Doch unsere Zweifel waren unangebracht und Stephan holte sicher den vollen Punkt. Mit der 1,5:2,5-Niederlage mussten wir zwar schon nach der ersten Runde den Heimweg antreten, doch waren wir mit unserer Leistung durchaus zufrieden. Allerdings hätte uns ein Weiterkommen natürlich den samstäglichen Stau auf der A7 erspart...
Ergänzend zum Bericht auf der Weimarer Homepage schrieb uns Michael Philipp zur starken Weimarer Leistung in Mendig-Mayen:
Runde 1 gegen Mendig-Mayen:
Es begann sehr vielversprechend. Michael Scheitz an Brett 1 mit Schwarz kam problemlos zum Ausgleich. Ich selbst erspielte mir mit Weiß einen hauchdünnen Vorteil in der Eröffnung. Jürgen Albrecht an 3 führte mit Weiß eine wundervolle Angriffspartie mit Figurenopfer, die bei genauem Gegenspiel vermutlich nur zu einem positionellen Vorteil geführt hätte. Stattdessen übersah sein Gegner die beste Fortsetzung und gab einen ganzen Turm und somit führten wir recht schnell mit 1:0. Finn Riedel sollte an Brett 4 ein schweres Spiel haben. Er spielte gegen einen Mendiger Routinier, der es als Weißer lediglich auf ein Remis anlegte. So geschah es dann auch, als wir bereits mit 1:0 führten. Ich bekam nach 3 Stunden Spielzeit ebenfalls ein Remisangebot, welches ich aufgrund neuer Verwicklungen an Brett 1 nicht annehmen konnte. Es war zu schwer zu durchschauen, was am Nachbarbrett passierte und somit entschied ich mich zum Weiterspielen. Es sollte sich als die richtige Entscheidung herausstellen, denn nach der Zeitkontrolle musste Michael Scheitz die Partie aufgeben. Mein Endspiel war alles andere als leicht. Nach 6 Stunden und 40 Minuten konnte ich jedoch meinen zähen Gegner im 111. Zug bezwingen. Dadurch konnten wir mit einem 2,5:1,5 den Ausrichter besiegen und unsere Unterkunft war nicht umsonst gebucht.
Wir ließen den Abend bei einem Bier in der Gaststätte und der Analyse meiner schier endlosen Partie ausklingen.
Tag zwei sollte uns nun den Bundesligisten Hockenheim bescheren, der Marburg souverän mit 4:0 nach Hause schickte. Jürgen Albrecht spielte diesmal an Brett 4. Er konnte wie am Vortag (diesmal mit einem herrlichen Qualitätsopfer) zum Angriff einleiten. Sein Gegner überlegte noch eine Stunde, wie er sich matt setzen lassen möchte und wir führten erneut dank Jürgen mit 1:0. Mit diesem Vorsprung im Rücken war ein Weiterkommen greifbar nahe. Wir durften nur keinen Punkt mehr abzugeben. Sowohl Finn Riedel an 3 als auch Michael Scheitz an 2 hatten es mit Schwarz nicht besonders leicht. Beide Gegner hatten es total auf Angriff abgesehen, sodass beide mächtig unter Beschuss standen. Michael Scheitz hatte es gegen IM Nekrasov sehr schwer. Wir haben hier bei dieser massiven Art von Beschuss mit einer schnellen Niederlage gerechnet. Jedoch behielt Michael die Nerven und konnte sich ganz cool aus der Affäre ziehen. Er opferte eine Qualität und erreichte hierdurch eine klare Remisstellung. Er konnte mit seinem verbliebenen Läufer eine undurchdringbare Festung errichten. Diese Leistung kostete natürlich viel Zeit und Kraft und leider stellte er dann kurz vor Zeitkontrolle einen wichtigen Bauern ein. Man sah seinem Gegner die Erleichterung förmlich an. Noch immer kämpfte Michael um das Remis. Doch er musste sich nach 5 Stunden doch noch geschlagen geben. Finn konnte in seiner Partie sich durch ein raffiniertes Bauernopfer Luft verschaffen und sein Gegner wählte mit Mehrbauern dann das Dauerschach. In meiner Partie passierte nicht viel. Ein Remis war gegen IM Bodrozic nie wirklich in Gefahr, jedoch war auch nie mehr drin. Ich beendete meine Partie zeitgleich mit Michael Scheitz. Wir verloren dadurch denkbar knapp und zudem noch sehr unglücklich 2:2 gegen den Erstligisten. Aber wir fuhren trotz alledem oder auch genau wegen dieser hervorragenden Mannschaftsleistung erhobenen Hauptes zurück nach Weimar.
